Wie widerstandsfähig sind Unternehmen, wenn Lieferketten ausfallen, IT-Systeme stillstehen oder Cyberangriffe die Produktion beeinträchtigen? Mit diesen Fragen beschäftigte sich das BIHK-Webinar „IT/OT-Sicherheit und Lieferkettensicherheit“, das im Rahmen des Projekts transform_EMN durchgeführt wurde. Rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Veranstaltung vor Ort im JOSEPHS® Innovationslabor in Nürnberg sowie online. Die Referenten beleuchteten, wie Unternehmen ihre Wertschöpfung auch unter schwierigen Rahmenbedingungen absichern können und welche Rolle dabei Cyber-Resilienz, Kooperation und regulatorische Anforderungen spielen.

Resilienz entsteht im Netzwerk

Den Auftakt machte Tizian Kernstock von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU). Im Forschungsprojekt RESIKOMP untersucht die FAU gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft, wie Unternehmen in Krisensituationen auf Kompetenzen, Ressourcen und Wissen anderer Unternehmen zurückgreifen können.

Anhand aktueller Beispiele wurde deutlich, dass Störungen von Lieferketten längst keine Ausnahme mehr sind. Pandemie, geopolitische Konflikte, Materialengpässe oder Cyberangriffe können jederzeit dazu führen, dass Unternehmen vor unerwarteten Herausforderungen stehen.

Eine zentrale Erkenntnis des Projekts: Was einem Unternehmen fehlt, ist oft im Netzwerk bereits vorhanden. Ob Lagerbestände, freie Kapazitäten oder spezielles Fachwissen, die Lösung liegt häufig nicht im einzelnen Unternehmen, sondern in der Zusammenarbeit innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken. Mit dem sogenannten Kompetenzdepot entwickelt RESIKOMP hierzu einen Ansatz, um Ressourcen und Kompetenzen im Krisenfall schneller auffindbar zu machen.

Wenn die IT ausfällt, steht die Produktion still

Anschließend zeigte Claus Crongeyer vom Bechtle IT-Systemhaus, wie eng digitale Systeme heute mit Produktion und Lieferfähigkeit verknüpft sind. Unter dem Titel „Wenn die IT ausfällt – wie lange produziert Ihr Unternehmen noch?“ rückte er die Bedeutung von Cyber-Resilienz in den Mittelpunkt.

Dabei wurde deutlich, dass ein Ausfall von ERP-Systemen, Produktionssteuerungen oder Kommunikationsplattformen schnell weitreichende Folgen haben kann. Aus einer IT-Störung wird innerhalb kurzer Zeit ein Betriebsrisiko, das bis zum Produktionsstillstand und Lieferausfall führen kann.

Besonders kritisch sind dabei historisch gewachsene IT- und OT-Landschaften, deren Abhängigkeiten oft nur unzureichend dokumentiert sind. Unternehmen sollten daher genau wissen, welche Geschäftsprozesse kritisch sind, welche Systeme dafür benötigt werden und in welcher Reihenfolge diese im Ernstfall wiederhergestellt werden müssen.

Neben technischen Maßnahmen wie Segmentierung, Backup-Strategien und Wiederanlaufkonzepten spielen vor allem klare Verantwortlichkeiten, Krisenorganisation und regelmäßige Übungen eine entscheidende Rolle

NIS2 wirkt entlang der gesamten Lieferkette

Den regulatorischen Blick auf das Thema lieferte Herr Rupp vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Er erläuterte die Auswirkungen der NIS2-Richtlinie und deren Bedeutung für Unternehmen entlang von Liefer- und Wertschöpfungsketten.

Dabei wurde deutlich, dass Cybersicherheit zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor wird. Auch Unternehmen, die selbst nicht unmittelbar unter die NIS2-Regulierung fallen, werden künftig verstärkt mit Sicherheitsanforderungen ihrer Kunden und Geschäftspartner konfrontiert.

Gefordert sind unter anderem ein systematisches Risikomanagement, Notfall- und Krisenkonzepte, sichere Lieferketten sowie technische und organisatorische Maßnahmen zum Schutz der eigenen Systeme. Entscheidend ist dabei, Sicherheit nicht nur nachweisen zu können, sondern sie auch tatsächlich wirksam umzusetzen.

Gemeinsames Fazit

Die Veranstaltung zeigte, dass Lieferkettensicherheit heute weit über die Verfügbarkeit von Materialien und Bauteilen hinausgeht. Unternehmen müssen ihre Abhängigkeiten von Lieferanten, Dienstleistern und IT-Systemen verstehen und gleichzeitig ihre organisatorische und technische Resilienz stärken.

Resiliente Wertschöpfungsnetzwerke entstehen dort, wo Unternehmen zusammenarbeiten, Informationen austauschen und sich gemeinsam auf Krisensituationen vorbereiten. Cybersecurity, Lieferkettensicherheit und Kooperation sind dabei keine getrennten Themen mehr, sondern entscheidende Voraussetzungen für eine zukunftsfähige Wirtschaft.

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